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Renault Fluence (2009-2018): Kennen Sie den noch?

Die Stufenheck-Limousine gab es damals sogar schon als Elektroauto

Renault Fluence (2009-2018)
Bild von: Renault

Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen. Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig Flops gewesen sein, aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers.

In unregelmäßiger Folge holen wir hier unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" solche Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens.

Bildergalerie: Renault Fluence (2009-2018)

Offenbar gilt bei Autoherstellern die Regel: Je unauffälliger das Modell, desto pompöser die dazugehörige Pressemitteilung. Im März 2012 jubelt Renault: "Mit dem großzügigsten Platzangebot der Klasse und reichhaltiger Serienausstattung ermög­licht die Stufenheck­limousine Renault Fluence Sportway den Reisekomfort der Mittelklasse zum Preis eines Kompakt­modells. Das eigenständige Stufenheckmodell bietet darüber hinaus die Basis für den Fluence Z.E., der weltweit ersten in Großserie hergestellten Stufenhecklimousine mit Elektroantrieb."

In Wahrheit ein Mégane Stufenheck

Der Name Fluence stammte von einer Coupé-Studie aus dem Jahr 2004. Doch damit hatte das Serienmodell nichts mehr zu tun. Eigentlich hätte man den Fluence auch als das bezeichnen können, was er in Wahrheit war: Ein Mégane Stufenheck, basierend auf dem Samsung SM3 und dem Renault Mégane III. Gebaut von Oyak-Renault in Bursa in der Türkei und von Renault Argentina in der Provinz Córdoba. 

An sich waren die Grundlagen, die der Fluence zu bieten hatte, nicht so schlecht. Die Limousine war mit 4,62 Meter Länge genau zwischen Mégane (4,3 Meter) und Laguna (4,7 Meter) positioniert und bot mit 2,7 Meter Radstand ein Raumangebot wie in der gehobenen Mittelklasse. Das Gepäckabteil fasste üppige 530 Liter, hinzu kam eine niedrige Ladehöhe von 72,7 Zentimeter und eine Ladebreite von 1,02 Meter. Die Rück­bank war ab Werk im Verhältnis 1:2 getrennt umklappbar.

Renault Fluence (2009-2018)
Bilder von: Renault
Renault Fluence (2009-2018)

Für den Fluence Sportway standen drei Motorvarianten zur Wahl. Die Benzinerpalette umfasste den 1.6 16V 110 mit 110 PS sowie den 2.0 16V 140 mit 140 PS, der wahlweise mit 6-Gang-Schaltgetriebe oder dem stufenlosen CVT-Getriebe erhältlich war. Als Dieselmotor gab es den 1,5-Liter-Selbstzünder dCi 110 mit Rußpartikelfilter, 110 PS und 6-Gang-Schaltgetriebe. Die Preise begannen bei rund 18.000 Euro. 

Mega-Flop und Elektro-Pionier

Kein schlechtes Angebot also, möchte man meinen. Und doch griff in Deutschland kaum jemand zu. Zwischen August 2010 und Oktober 2012 war der Fluence hierzulande mit Verbrennern im Angebot. Neuzulassungen im besten Jahr 2011: 774 Stück. Renault hatte zu dieser Zeit einfach kein Händchen in Sachen Stufenheck. Im gleichen Zeitraum brachte es der größere Latitude sogar auf lediglich rund 350 Exemplare.

Anfang 2012 erschien der rein elektrische Fluence Z.E.. Laut Renault handelte es sich um die weltweit erste in Großserie hergestellte Stufenhecklimousine mit Elektroantrieb. Ausgestattet mit einer Drehstrom-Synchronmaschine zeigt der Z.E. deutlich, wie rasant der Fortschritt bei den Stromern ist. 2012 konnte man mit einem 22-kWh-Akku und 185 Kilometer Reichweite noch punkten.

Renault Fluence (2009-2018)

Renault Fluence Z.E.

Bild von: Renault

Zitat Renault: "Die maximale Reichweite des Fluence Z.E. beträgt mit voll aufgeladener Batterie bis zu 185 Kilometer im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Unter realen Einsatz­bedingungen kann diese Reichweite bei optimaler Fahrweise auf 200 Kilometer steigen. Diese Distanz liegt deutlich über dem Mobilitätsbedarf der meisten Kunden."

Zum Vergleich: 13 Jahre später liegt ein deutlich kleinerer Renault 5 E-Tech Electric schon an der Basis bei rund 300 Kilometer. Aber zurück zum Fluence Z.E.: Dank der um 13 Zentimeter auf 4,75 Meter gewachsenen Länge gelang die Integration der Lithium-Ionen-Batterie zwischen der Rück­sitzbank und dem Gepäckabteil, ohne die Platzverhältnisse für die Fondpassagiere einzuschränken. Das stimmte. Doch der Kofferraum schrumpfte deutlich, wie man anhand dieses Fotos sieht:

Renault Fluence (2009-2018)
Bild von: Renault

Äußerlich unterschied sich der Fluence Z.E. von seinem Pendant mit Benzin- und Dieselaggregat außerdem durch den neu gestalteten, großen Lufteinlass. Weitere Akzente setzten Schein­werfer und Rückleuchten mit Reflektoren in "Chrom-Blau Z.E.". Auch die prominenten Logos vorne und hinten sowie der Schriftzug Fluence am Kofferraumdeckel schimmerten in dem exklusiven Farbton.

Schnellladung? Nix da. "Die Schnellladung an einer 400-Volt-Drei-Phasen-Kraftstrom­steckdose mit 32 bis 63 Ampere Ladestrom dauert bei einer Batterie mit einer Kapazität von 20 kWh rund eine Stunde und wird beim Fluence Z.E. der nächsten Generation möglich sein.", hieß es 2012 lapidar. 

Batterie zum Wechseln

Wobei ... es gab schon so etwas Ähnliches. Das sogenannte "Quickdrop-System" des Fluence Z.E., dessen Infrastruktur in einigen ausgewählten Ländern weltweit aufgebaut wurde, ermöglichte den Wechsel der Batterie innerhalb von drei Minuten.

Die Renault-Nissan-Allianz hatte hierfür in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Better Place neuartige Stationen für den schnellen und sicheren Batteriewechsel entwickelt. Better Place wollte im Pilotmarkt Israel ein flächendeckendes Netz mit Wechselstationen aufbauen. Darüber hinaus vereinbarten Renault und Better Place eine Kooperation in Australien. Weitere Projekte waren in Hawaii und den Niederlanden geplant. 

Doch Better Place ereilte das gleiche Schicksal wie der Elektro-Fluence. Mitte 2013 ging man in die Insolvenz, die Produktion des Fluence Z.E. endete Anfang 2014. Der normale Fluence erhielt übrigens einen Nachfolger: Am 12.Juli 2016 veröffentlichte Renault erste Bilder der Stufenheck-Version des Mégane IV. Diese war aber in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich nicht erhältlich. International lief der Fluence noch bis 2018 vom Band.